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34. G8-Gipfel in Toyako – Viel Wirbel um Nichts?

34. G8-Gipfel in Toyako – Viel Wirbel um Nichts?

Anfang dieser Woche war es dann mal wieder soweit – die acht Staats- und Regierungschefs der reichsten und wirtschaftlich stärksten Länder der Welt fanden sich in Toyako zum 34. G8-Gipfel ein. Toyako liegt auf der Insel Hokkaido im Norden Japans und passt ganz hervorragend in das „Beuteschema“, welches der Suche nach einem möglichst idyllischen und abgelegenen Ort, an dem sich die mächtigsten der Welt  möglichst ungestört beraten können, anscheinend zu Grunde liegt. Auch beim Ablauf wiederholen sich bestimmte Dinge – immer gibt es am Ende ein schönes Familienfoto und auch ganz viele Versprechen, die Welt endlich zu einem besseren Ort zu machen. In diesem Jahr saßen übrigens nicht nur acht, sondern gleich 22 wichtige Personen an der Tafel.

Mit der Umsetzung scheint es jedoch einmal mehr zu hapern, denn wie DW-WORLD.DE (Deutsche Welle) nun berichtet, lassen sich bei den diesjährigen Verhandlungen außer der Abmachung, dass künftig keine essbaren Mittel mehr zur Herstellung von Biosprit verwendet werden sollen, keine einschneidenden Maßnahmen zu einer Verbesserung des „Weltzustandes“ ausmachen. Die Treibhausgas-Emissionen sollen zwar bis zum Jahr 2050 halbiert werden, allerdings ziehen bis dahin noch gut 42 Jahre ins Land. Einmal mehr entsteht hier der Eindruck, dass die Lösung der wirklich heiklen Aufgaben den nachfolgenden Generationen überlassen wird. Alles in allem beschleicht einen hier der Eindruck, dass diese G8-Gipfel nur für’s Protokoll statt finden, denn mit einem echten Bedürfnis, die Mängel und Probleme dieser Welt zu lösen, kann es nicht weit her sein. Ein paar Beispiele – während immer weiter Menschen sterben, weil sie entweder nicht genug zum essen haben oder völlig unzureichend versorgt sind (kein sauberes Trinkwasser, keine ausreichende medizinische Versorgung), versprechen die G8 ein paar Milliarden für die Verbesserung der landwirtschaftlichen Strukturen, deren Zerstörung sie im Grunde genommen selber zu verantworten haben. Darüber hinaus könnten mit dem Geld, das der G8-Gipfel gekostet hat, rund vier Millionen HIV-Erkrankte behandelt werden. Ein weiteres pikantes Detail – zur Rettung der weltweiten Finanzmärkte standen innerhalb kürzester Zeit eine Billion US-Dollar bereit – was könnte man mit diesem Geld alles erreichen, um Menschen ein menschenwürdiges Leben oder gar bloß das nackte Überleben an sich zu sichern…

Beim nächsten UN-Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 wird dann das Stündchen der Wahrheit schlagen und es wird sich zeigen, ob überhaupt und wenn ja, in wie weit die Abmachungen Früchte tragen. Vielleicht wird man sich dann auch mit der kritischen Frage beschäftigen müssen, was man sich bei diesem groben Anriss einer auch nur eventuellen Lösung gedacht haben mag.

Stimmen der Tageszeitungen europaweit zum diesjährigen G8-Gipfel in Toyako hat die Financial Times Deutschland zusammengestellt:

„Le Monde“ (Paris):
„Hätten die Verantwortlichen des G8-Gipfels dieses Schauspiel absichtlich inszeniert, hätten sie es genauso getan: die acht reichsten Länder der Welt haben gezeigt, dass sie die wichtigsten Probleme des Planeten nicht mehr allein oder miteinander regeln können. Um Lösungen zu suchen, müssen sie ab jetzt die wichtigsten Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien in ihre Überlegungen und Bemühungen miteinbeziehen. In Toyako ist der G8 vermutlich gestorben. Es lebe der G13 oder noch größere Kreis.“

„La Stampa“ (Turin):
„Da standen sie also in ihrer Gipfel-Kleidung und taten vor den Fernsehkameras so, als pflanzten sie einen Baum. So wollten sie ihr Engagement für die Umwelt und gegen den Klimawandel bezeugen – linkisch und ungeschickt erschienen die Führer der acht wichtigsten Industrienationen der Welt vor mindestens zwei Milliarden Fernsehzuschauern, die ihre Aktivitäten mehr oder weniger unaufmerksam verfolgten. In der Realität ist ihr ökologischer und klimapolitischer Einsatz vom Resultat her gesehen mindestens ebenso unangemessen geblieben – man könnte auch sagen genauso lächerlich – wie ihre Amtskleidung beim Pflanzen. Und wenn jemand noch Zweifel hatte, dann müsste die übliche Pressemitteilung, voll der guten Worte und Gemeinplätze, aber arm an Fakten, ihn davon überzeugt haben, wie unnütz, um nicht zu sagen schädlich diese Treffen sind.“

„Daily Telegraph“ (London):
„Dieses 34. Gipfeltreffen der reichsten Demokratien hat bestätigt, dass dieses Forum irgendeine Nützlichkeit, die es mal gehabt haben mag, überlebt hat. Der G8 ist von „Kamingesprächen“, wie sie 1975 die französischen und deutschen Staatschefs Valéry Giscard d’Estaing und Helmut Schmidt konzipiert hatten, zu einem Mastodonten geworden, dessen Effizienz im umgekehrten Verhältnis zu seiner Größe steht. Es gibt Forderungen, China, Indien und andere Länder in die Runde der G8 aufzunehmen. Dies würde die Veranstaltung noch unbeweglicher machen. Man sollte sie ersatzlos streichen. Sie ist zu einem lächerlichen Anachronismus verkommen.“

„Berliner Zeitung“:
„Der Hinweis, die G8 könne viele Probleme nicht alleine lösen, dient zunehmend als Vorwand für Nichtstun oder als Schleier für interne Zerwürfnisse. Natürlich gehören viele der Themen auch in andere, größere Foren wie die Uno, die OECD oder Koordinationsrunden mit den Ölförderstaaten. Der Klimaschutz lässt sich am besten auf einem Klimagipfel voranbringen, und ein solcher war das Treffen von Toyako ausdrücklich nicht. Es hätte aber ein Vorbild und Anreize für den Rest der Welt liefern können, die Erderwärmung ernsthaft zu bekämpfen, auch wenn das teuer wird.“

„De Volkskrant“ (Den Haag):
„Das mäßige Ergebnis wirft einmal mehr die Frage auf, ob G8 in der heutigen Zusammensetzung wirklich das geeignete Forum ist, die unterschiedlichen weltweiten Probleme zu besprechen. Länder wie China, Indien und Brasilien sind große Spieler geworden. Ohne einen vollwertigen Beitrag von ihrer Seite haben die Beratungen über monetäre Angelegenheiten, Energiepreise und Klimaveränderung wenig Sinn. Es spricht alles dafür, aus G8 einen G12 oder G13 zu machen. Aber das hat nur eine Chance, wenn man mit dem Besen auch durch andere verstaubte Clubs wie die Weltbank geht. Und auch dann dürfen noch keine Wunder erwartet werden – denn ein breiter aufgestellter Verein ist bestimmt keine Garantie für eine bessere Beschlussfähigkeit.“

„Nepszava“ (Budapest):
„Afrika hat nur ein Viertel der schon früher versprochenen Gelder erhalten, bei den Klimazielen drückte man sich wieder einmal um konkrete Vorgaben herum. Warum ist das so? Nun, etwas maliziös ausgedrückt, ist die Demokratie an allem schuld. Die Politiker sind stets nur ihren eigenen Wählern gegenüber in der Verantwortung. Bei den Wahlen in den USA, in Deutschland, Großbritannien und den anderen G-8-Ländern stimmen die hunderte und aberhunderte Millionen Menschen aus den Entwicklungsländern nicht mit. So wie auch die Umwelt und das Klima nicht.“